Dreimonatskoliken beim Baby: Warum schreit mein Baby jeden Abend?
Viele Babys beginnen in den ersten Lebenswochen besonders am späten Nachmittag oder am Abend plötzlich heftig zu schreien. Sie werden rot im Gesicht, ziehen die Beine an, drücken und lassen sich manchmal eine oder sogar mehrere Stunden kaum beruhigen.
Häufig spricht man dann von sogenannten Dreimonatskoliken. Der Begriff ist jedoch etwas irreführend: Wir wissen nicht sicher, ob tatsächlich Bauchschmerzen oder Darmkrämpfe die Ursache sind.
Was sind Dreimonatskoliken?
Dreimonatskoliken sind wiederkehrende, ausgeprägte Schrei- und Unruhephasen bei einem ansonsten gesunden Säugling.
Typischerweise beginnen sie in den ersten Lebenswochen. Häufig treten sie besonders am späten Nachmittag oder Abend auf. Das Baby lässt sich während dieser Zeit nur schwer beruhigen, zieht möglicherweise die Beine an, presst und wird rot im Gesicht.
Bei den meisten Babys werden die Beschwerden nach dem dritten Lebensmonat deutlich besser.
Warum schreit mein Baby besonders abends?
Wahrscheinlich gibt es nicht nur eine einzelne Ursache.
Nach der Geburt müssen sich verschiedene Bereiche erst an das Leben außerhalb des Mutterleibs anpassen:
- der Darm und die Verdauung,
- das Nervensystem,
- der Schlaf-Wach-Rhythmus und
- die Verarbeitung von Licht, Geräuschen, Berührungen und anderen Reizen.
Im Laufe des Tages sammeln sich viele Eindrücke. Da junge Säuglinge diese noch nicht so gut verarbeiten und sich noch nicht selbst beruhigen können, nehmen Unruhe und Schreien häufig am Abend zu.
Auch verschluckte Luft beim Trinken oder Schreien kann Blähungen verursachen und die Beschwerden verstärken.
Hat mein Baby wirklich Bauchschmerzen?
Das lässt sich nicht immer sicher beantworten.
Viele Babys ziehen beim Schreien die Beine an, spannen den Bauch an, pressen und lassen Luft ab. Dadurch entsteht schnell der Eindruck, dass starke Bauchschmerzen oder Darmkrämpfe vorliegen.
Diese Reaktionen können jedoch auch durch das intensive Schreien selbst entstehen. Nicht jedes Schreien und Pressen bedeutet deshalb automatisch, dass das Baby starke Bauchschmerzen hat.
Was hilft bei Dreimonatskoliken?
Leider gibt es keine Maßnahme, die bei allen Babys zuverlässig hilft.
Sie können Folgendes ausprobieren:
- das Baby eng am Körper tragen,
- ruhig und gleichmäßig wiegen,
- Licht, Geräusche und andere Reize reduzieren,
- Wärme auf den Bauch legen,
- den Bauch sanft massieren,
- die Beine vorsichtig wie beim Fahrradfahren bewegen,
- beim Trinken Pausen zum Aufstoßen einlegen.
Probieren Sie nicht ständig neue Beruhigungsmethoden aus. Zu viele wechselnde Reize können das Baby zusätzlich überfordern.
Die wichtigste Hilfe sind häufig Ruhe, Nähe und Zeit.
Darf das Baby auf dem Bauch liegen?
Die Bauchlage kann für manche Babys angenehm sein.
Sie ist jedoch nur erlaubt, solange das Baby wach ist und unmittelbar beaufsichtigt wird.
Zum Schlafen sollte ein Baby immer auf den Rücken gelegt werden – auch tagsüber und auch dann, wenn Sie sich im selben Raum befinden.
Helfen Lefax oder Sab simplex?
Lefax und Sab simplex enthalten den Wirkstoff Simeticon. Dieser kann bei vermuteten Blähungen versuchsweise gegeben werden und ist in der Regel gut verträglich.
Bei typischen Dreimonatskoliken ist eine zuverlässige Wirkung jedoch wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Das bedeutet: Die Präparate können ausprobiert werden, helfen aber nicht bei jedem Baby.
Helfen Kümmelzäpfchen?
Es gibt Kümmelzäpfchen, die laut Produktinformation bereits ab Geburt angewendet werden dürfen.
Manche Eltern beobachten, dass ihr Baby danach leichter Luft oder Stuhl absetzen kann oder sich schneller beruhigt.
Eine zuverlässige Wirksamkeit bei Dreimonatskoliken ist jedoch nicht belegt. Bei einer sehr schnellen Besserung lässt sich außerdem nicht sicher unterscheiden, ob diese durch den Kümmel, den Reiz beim Einführen des Zäpfchens oder den natürlichen Verlauf der Schreiphase entstanden ist.
Sollte die Säuglingsnahrung gewechselt werden?
Bei typischen Dreimonatskoliken sollte die Nahrung nicht ständig gewechselt werden.
Bei gestillten Babys sollte das Stillen nicht vorschnell beendet werden.
Eine Spezialnahrung kann in einzelnen Fällen sinnvoll sein, beispielsweise bei einem begründeten Verdacht auf eine Kuhmilchproteinallergie. Eine solche Ernährungsumstellung sollte jedoch vorher kinderärztlich besprochen werden.
Wann muss mein Baby zum Kinderarzt?
Ein ungewöhnlich stark oder anhaltend schreiendes Baby sollte kinderärztlich untersucht werden, besonders wenn:
- es Fieber hat,
- es deutlich schlechter trinkt,
- es ungewöhnlich wenige nasse Windeln hat,
- es wiederholt oder schwallartig erbricht,
- das Erbrochene grün ist,
- Blut im Stuhl sichtbar ist,
- der Bauch auffällig gebläht oder hart ist,
- es nicht ausreichend zunimmt,
- es ungewöhnlich schläfrig oder schwer weckbar wirkt oder
- es insgesamt krank erscheint.
Bei einem Baby unter drei Monaten muss eine Körpertemperatur ab 38,0 Grad sofort ärztlich abgeklärt werden.
Was tun, wenn das Schreien zu viel wird?
Stundenlanges Schreien kann Eltern an ihre Belastungsgrenze bringen. Das ist kein persönliches Versagen.
Wenn Sie merken, dass Sie die Kontrolle verlieren:
- Legen Sie Ihr Baby sicher auf den Rücken in sein Bettchen.
- Verlassen Sie für einige Minuten den Raum.
- Holen Sie sich Unterstützung von einer vertrauten Person.
Ein Baby darf für einige Minuten sicher in seinem Bett weinen.
Niemals ein Baby schütteln. Bereits wenige Sekunden können schwerste Verletzungen verursachen.
Das Wichtigste in Kürze
Dreimonatskoliken sind ausgeprägte Schrei- und Unruhephasen in den ersten Lebensmonaten. Ob tatsächlich Bauchschmerzen oder Darmkrämpfe dahinterstecken, ist nicht immer sicher.
Wenn das Baby gut trinkt, zunimmt und ansonsten gesund wirkt, sind die Beschwerden meistens harmlos. Bei vielen Kindern werden sie nach dem dritten Lebensmonat deutlich besser.
Nähe, ruhiges Tragen, Reizreduktion, Wärme und sanfte Bewegungen können helfen. Lefax, Sab simplex oder altersgerecht zugelassene Kümmelzäpfchen können versuchsweise angewendet werden, ihre zuverlässige Wirkung bei Dreimonatskoliken ist jedoch nicht belegt.
Bei Fieber, Trinkschwäche, grünem Erbrechen, Blut im Stuhl, einem harten Bauch oder einem krank wirkenden Baby ist eine kinderärztliche Untersuchung notwendig.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle kinderärztliche Untersuchung oder Beratung.
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