Reiseübelkeit bei Kindern: Was hilft wirklich?
„Mir ist schlecht!“ – diesen Satz hören viele Eltern schon nach wenigen Kilometern Autofahrt. Manche Kinder werden zunächst auffällig ruhig, blass oder müde. Später können Schwindel, kalter Schweiß, Übelkeit und Erbrechen hinzukommen.
Reiseübelkeit ist bei Kindern häufig und kann nicht nur im Auto, sondern auch im Bus, Flugzeug oder auf einem Schiff auftreten. Meist helfen bereits einfache Maßnahmen: nach vorne schauen, auf Lesen und Bildschirmmedien verzichten, regelmäßig lüften und bei längeren Autofahrten Pausen einlegen.
Wir erklären, wodurch Reiseübelkeit bei Kindern entsteht, was Eltern vorbeugend tun können und wann Medikamente infrage kommen.
Wie entsteht Reiseübelkeit bei Kindern?
Reiseübelkeit wird medizinisch auch als Kinetose bezeichnet. Sie entsteht, wenn die Augen und das Gleichgewichtsorgan im Innenohr unterschiedliche Informationen an das Gehirn senden.
Ein typisches Beispiel ist das Lesen während einer Autofahrt: Die Augen richten sich auf das scheinbar unbewegliche Buch und melden dem Gehirn Ruhe. Gleichzeitig nimmt das Gleichgewichtsorgan Kurven, Bremsvorgänge und Beschleunigungen wahr. Diese widersprüchlichen Informationen können Übelkeit, Schwindel und Erbrechen auslösen.
Ähnlich ist es, wenn ein Kind während der Fahrt nach unten schaut oder längere Zeit ein Handy oder Tablet benutzt.
Woran erkennt man beginnende Reiseübelkeit?
Reiseübelkeit beginnt nicht immer sofort mit Erbrechen. Häufig zeigen Kinder zunächst weniger auffällige Beschwerden.
Mögliche Anzeichen sind:
- auffällige Ruhe oder Teilnahmslosigkeit
- Blässe
- Müdigkeit und häufiges Gähnen
- Schwindel oder Kopfschmerzen
- vermehrter Speichelfluss
- kalter Schweiß
- Bauchschmerzen oder ein flaues Gefühl im Magen
- Übelkeit und Erbrechen
Wer die ersten Anzeichen früh erkennt, kann häufig noch rechtzeitig reagieren.
Was hilft gegen Reiseübelkeit bei Kindern?
Nach vorne und in die Ferne schauen
Das Kind sollte möglichst nach vorne und durch die Scheibe in Fahrtrichtung schauen. Besonders hilfreich ist der Blick auf einen weit entfernten, festen Punkt oder den Horizont. Dadurch passen die Informationen der Augen besser zu den Bewegungen, die das Gleichgewichtsorgan wahrnimmt.
Die sichere und altersgerechte Befestigung im Kindersitz hat selbstverständlich immer Vorrang.
Nicht lesen und keine Bildschirmmedien benutzen
Lesen, Malen oder der Blick auf ein Handy beziehungsweise Tablet können die Beschwerden verstärken. Während der Fahrt sind Hörspiele, Musik oder gemeinsam erzählte Geschichten die bessere Ablenkung.
Für frische Luft sorgen
Das Auto sollte regelmäßig gelüftet werden. Zu warme Luft und intensive Gerüche können die Übelkeit zusätzlich verstärken. Bei Klimaanlage oder geöffnetem Fenster sollte das Kind jedoch keiner starken, direkten Zugluft ausgesetzt sein.
Regelmäßige Pausen einlegen
Bei längeren Autofahrten helfen regelmäßige Pausen. Das Kind kann kurz aussteigen, sich bewegen und frische Luft schnappen. Sobald erste Beschwerden auftreten, sollte möglichst früh eine sichere Pause eingelegt werden.
Kleine und leichte Mahlzeiten wählen
Ein völlig leerer Magen kann Reiseübelkeit ebenso begünstigen wie eine große, schwere Mahlzeit. Vor der Fahrt ist deshalb eine kleine, leichte Mahlzeit sinnvoll.
Sehr fettige, stark gewürzte oder üppige Speisen sollten unmittelbar vor und während der Reise vermieden werden. Kleine Schlucke Wasser oder ungesüßter Tee sind meist besser verträglich als große Trinkmengen auf einmal.
Ruhige Fahrweise
Starkes Beschleunigen, abruptes Bremsen und schnelle Kurvenfahrten können Reiseübelkeit verstärken. Eine gleichmäßige und vorausschauende Fahrweise ist daher besonders angenehm.
Was sollten Eltern griffbereit haben?
Auch bei guter Vorbereitung lässt sich Reiseübelkeit nicht immer verhindern. Für längere Fahrten empfiehlt es sich, einige praktische Dinge nicht im Kofferraum, sondern direkt im Fahrzeug bereitzuhalten:
- Spucktüten
- Feuchttücher oder Küchenpapier
- Wechselkleidung
- eine kleine Mülltüte
- Wasser
- gegebenenfalls ein Handtuch oder eine waschbare Unterlage
Das reduziert Stress, falls dem Kind plötzlich übel wird oder es erbrechen muss.
Welcher Sitzplatz ist bei Reiseübelkeit geeignet?
Im Auto sollte das Kind auf einem altersgerechten und korrekt befestigten Kindersitz sitzen. Wenn möglich, kann ein Platz hilfreich sein, von dem aus es gut nach vorne und aus dem Fenster schauen kann. Die geltenden Sicherheitsregeln dürfen dafür jedoch niemals verändert oder umgangen werden.
In anderen Verkehrsmitteln sind Plätze mit möglichst geringer Bewegung häufig angenehmer. Im Flugzeug liegen diese meist in der Nähe der Tragflächen, auf einem Schiff eher in der Schiffsmitte.
Helfen Medikamente gegen Reiseübelkeit?
Dimenhydrinat kann Reiseübelkeit vorbeugen oder lindern. Der Wirkstoff kann jedoch müde und benommen machen. Bei Kindern kann gelegentlich auch eine gegenteilige Reaktion mit Unruhe oder Erregung auftreten.
Die richtige Dosierung hängt vom Alter und Gewicht des Kindes sowie vom verwendeten Präparat ab. Eltern sollten sich deshalb genau an die Dosierungsangaben halten und bei Unsicherheit vorher in der kinderärztlichen Praxis oder Apotheke nachfragen.
Bei Kindern unter drei Jahren sollte Dimenhydrinat nicht ohne vorherige ärztliche Rücksprache gegeben werden. Überdosierungen können gerade bei kleinen Kindern gefährlich sein. Bei fieberhaften Infekten sollte Dimenhydrinat bei Kleinkindern ebenfalls nicht angewendet werden.
Medikamente sollten nicht routinemäßig bei jeder Fahrt eingesetzt werden. Zunächst sollten die einfachen Maßnahmen ausgeschöpft werden.
Wann sollte ein Kind ärztlich untersucht werden?
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn:
- Schwindel oder Übelkeit auch ohne eine Reise auftreten
- das Kind ungewöhnlich häufig oder stark erbricht
- starke Kopfschmerzen, Gangunsicherheit oder andere neurologische Auffälligkeiten hinzukommen
- das Kind kaum Flüssigkeit behalten kann
- Zeichen eines Flüssigkeitsmangels auftreten
- die Beschwerden bei fast jeder Fahrt sehr ausgeprägt sind
- unklar ist, ob tatsächlich eine Reiseübelkeit vorliegt
Das Wichtigste auf einen Blick
Bei Reiseübelkeit helfen häufig schon einfache Maßnahmen: nach vorne und in die Ferne schauen, nicht lesen, Handy und Tablet vermeiden, für frische Luft sorgen und regelmäßige Pausen einlegen. Vor der Reise ist eine kleine, leichte Mahlzeit meist besser als ein völlig leerer oder sehr voller Magen.
Medikamente wie Dimenhydrinat sollten bei Kindern nur eingesetzt werden, wenn sie wirklich notwendig sind, und immer korrekt dosiert werden. Bei Kindern unter drei Jahren ist vorher eine ärztliche Rücksprache erforderlich.
MVZ medic in Leverkusen-Opladen – Kindergesundheit einfach erklärt.