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Fliegen mit Baby oder Kind: So vermeiden Sie Ohrenschmerzen

Viele Babys und Kinder bekommen beim Fliegen Druck auf den Ohren oder sogar Ohrenschmerzen. Besonders häufig treten die Beschwerden während des Sinkflugs und bei der Landung auf. Mit einfachen Maßnahmen können Eltern den Druckausgleich unterstützen und ihrem Kind die Flugreise erleichtern.

Warum bekommen Kinder beim Fliegen Ohrenschmerzen?

Während eines Fluges verändert sich der Luftdruck in der Flugzeugkabine. Das Mittelohr muss sich an diese Druckveränderungen anpassen. Dafür wird Luft über die sogenannte Eustachische Röhre zwischen dem Mittelohr und dem Nasen-Rachen-Raum ausgetauscht.

Bei Kindern ist diese Verbindung noch enger und funktioniert teilweise weniger zuverlässig als bei Erwachsenen. Besonders bei einem Schnupfen können die Schleimhäute anschwellen und den Druckausgleich erschweren. Das Trommelfell wird dann gespannt, wodurch Druckgefühl und Schmerzen entstehen können.

Am schwierigsten ist der Druckausgleich meistens während des Sinkflugs. Eltern sollten deshalb nicht erst bei der Landung, sondern bereits beim Beginn des Landeanflugs aktiv werden.

Was hilft Babys beim Druckausgleich?

Babys können noch nicht bewusst gähnen oder einen aktiven Druckausgleich durchführen. Schlucken und Saugen helfen dabei, die Eustachische Röhre zu öffnen.

Ab Beginn des Sinkflugs können Sie Ihr Baby:

  • stillen,
  • aus dem Fläschchen trinken lassen oder
  • einen Schnuller anbieten.

Wenn möglich, sollte das Baby während des Sinkflugs wach sein. Im Schlaf wird seltener geschluckt. Beginnen Sie mit dem Stillen oder Füttern jedoch nicht zu früh, damit das Baby beim entscheidenden Teil der Landung noch trinken oder saugen möchte.

Was hilft größeren Kindern gegen Ohrendruck?

Größere Kinder können den Druckausgleich aktiv unterstützen. Geeignet sind:

  • Trinken,
  • Kauen,
  • Lutschen,
  • häufiges Schlucken und
  • bewusstes Gähnen.

Je nach Alter kann auch ein vorsichtiger Druckausgleich ausprobiert werden: Das Kind hält sich die Nase zu und schluckt. Alternativ kann es bei geschlossenem Mund ganz sanft gegen die zugehaltene Nase ausatmen. Dabei darf nicht kräftig gepresst werden.

Am besten wird diese Technik bereits vor der Reise in Ruhe geübt.

Helfen Nasenspray oder Nasentropfen beim Fliegen?

Wenn ein Kind Schnupfen hat und die Nase deutlich verstopft ist, können altersgerechte abschwellende Nasentropfen oder ein entsprechendes Nasenspray im Einzelfall erwogen werden. Sie werden üblicherweise etwa 30 Minuten vor dem Start und besonders vor dem Sinkflug angewendet.

Wichtig ist jedoch: Der Nutzen abschwellender Mittel zur Verhinderung von Ohrenschmerzen beim Fliegen ist bei Kindern wissenschaftlich nicht sicher belegt. Sie sollten deshalb nicht vorsorglich bei jedem Kind eingesetzt werden.

Falls eine Anwendung sinnvoll erscheint, muss das Präparat:

  • ausdrücklich für das Alter des Kindes zugelassen sein,
  • genau nach Packungsbeilage dosiert werden und
  • auf wenige Tage begrenzt bleiben.

Bei Babys, Vorerkrankungen oder Unsicherheiten sollten Eltern die Anwendung vorher kinderärztlich besprechen. Abschwellende Medikamente zum Einnehmen sind für diesen Zweck bei Kindern nicht zu empfehlen.

Können Schmerzmittel vorbeugend gegeben werden?

Bei Kindern, die erfahrungsgemäß während einer Flugreise starke Ohrenschmerzen bekommen, kann im Einzelfall ein alters- und gewichtsangepasstes Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol sinnvoll sein.

Da diese Medikamente nicht sofort wirken, müsste die Gabe rechtzeitig vor dem erwarteten Sinkflug erfolgen. Eine routinemäßige vorbeugende Gabe bei jedem Kind ist jedoch nicht notwendig. Dosierung, Gegenanzeigen und die Angaben der Packungsbeilage müssen beachtet werden.

Darf ein Kind mit Mittelohrentzündung fliegen?

Eine Mittelohrentzündung bedeutet nicht automatisch, dass ein Kind keinesfalls fliegen darf. Der Druckwechsel kann jedoch erhebliche Schmerzen verursachen und der Druckausgleich kann eingeschränkt sein.

Eine kinderärztliche Untersuchung vor dem Flug ist besonders ratsam, wenn das Kind:

  • starke Ohrenschmerzen hat,
  • Fieber oder einen deutlich beeinträchtigten Allgemeinzustand zeigt,
  • möglicherweise an einer akuten Mittelohrentzündung leidet,
  • Flüssigkeit oder Blut aus dem Ohr verliert oder
  • kürzlich am Ohr operiert wurde.

Ob der Flug vertretbar ist, muss abhängig vom Befund und vom Allgemeinzustand individuell entschieden werden.

Helfen Ohrenschützer gegen den Druck auf den Ohren?

Kapselgehörschützer können Babys und kleine Kinder vor dem hohen Geräuschpegel im Flugzeug schützen. Sie verhindern jedoch keinen Ohrendruck und ersetzen nicht das Schlucken oder Saugen während des Sinkflugs.

Auch spezielle druckregulierende Ohrstöpsel können den Druckwechsel möglicherweise verlangsamen. Bei kleinen Kindern sind Passform und korrekte Anwendung allerdings nicht immer zuverlässig.

Wann sollte das Kind nach dem Flug untersucht werden?

Ein vorübergehendes Druckgefühl nach der Landung ist meistens harmlos. Eine ärztliche Untersuchung ist sinnvoll, wenn:

  • die Ohrenschmerzen stark sind oder anhalten,
  • das Kind nach dem Flug schlechter hört,
  • Schwindel oder ausgeprägte Übelkeit auftreten,
  • Flüssigkeit oder Blut aus dem Ohr austritt oder
  • Fieber hinzukommt.

In seltenen Fällen kann durch den Druckunterschied ein Barotrauma des Mittelohres entstehen.

Das Wichtigste in Kürze

Vor allem der Sinkflug ist für die Ohren entscheidend. Babys sollten dann stillen, aus dem Fläschchen trinken oder an einem Schnuller saugen. Größeren Kindern helfen Trinken, Kauen, Lutschen, Schlucken und Gähnen.

Abschwellende Nasentropfen können bei deutlich verstopfter Nase im Einzelfall erwogen werden. Ihr Nutzen gegen Ohrenschmerzen beim Fliegen ist bei Kindern jedoch nicht sicher belegt. Bei starken Ohrenschmerzen, Fieber oder einer vermuteten Mittelohrentzündung sollte das Kind vor dem Flug kinderärztlich untersucht werden.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle kinderärztliche Untersuchung oder Beratung.

MVZ medic Leverkusen-Opladen – Kindergesundheit einfach erklärt.

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